2. Sonntag im Jahreskreis| 17. Januar 2021 | Diakon Frank Kühbacher            

 

 

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Was ist die Aufgabe der Kirche in der Pandemie? Was sind unsere geistlichen Angebote, sind sie ausreichend und erreichen sie die Menschen? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen zur Zeit Kirche und Gesellschaft.

 

Vom Apostel Paulus ist die Nachfrage überliefert: “Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?”  (1 Kor 3,16)

 

Was Paulus als Bild für die christliche Gemeinde beschreibt, das deutete ein lange verstorbener und von mir geschätzter Priester ganz praktisch, nämlich auf den menschlichen Körper bezogen: Der ganze Mensch ist Tempel, ist Kathedrale Gottes, und deshalb gilt es ihn zu schützen, zu pflegen und zu achten.

 

Mich spricht dieser Aspekt sehr an, gerade jetzt. Jesus hat sich immer für den ganzen Menschen interessiert. Er hat sich um Menschen gesorgt, die Hunger hatten, die krank waren, die in seelischer und/oder körperlicher Not waren. Dass er etwa seelische und körperliche Bedürfnisse unterschiedlich bewertet hätte kann sich mir nicht erschließen.

 

In unserem Denken gibt es aber immer noch Schubladen, die den Menschen in Fachgebiete einteilen: Ärztinnen und Ärzte bedienen die medizinische, Politikerinnen und Politiker die gesellschaftliche Schublade, usw. Die vornehmliche kirchliche Disziplin scheint die geistliche Schublade zu sein. Nicht zufällig nennen sich Amtsträger Geistliche, und auch der Begriff der Seelsorge deutet in diese Richtung. Das macht es schwierig, alle menschlichen Grundbedürfnisse, wie zum Beispiel das nach gelebter und erfüllter Sexualität, zu berücksichtigen.

 

Als kirchliche Gemeinschaft dürfen wir aber das menschliche Leben mit allen Facetten wahrnehmen. Wir sehen Körper, Geist und Seele im Zusammenhang. Deshalb freue ich mich auf eine Zukunft, in der physische Nähe wieder möglich ist, in der wir zusammen essen, trinken, feiern und Freude erleben können. 

 

Für die vor uns liegende Woche wünscht sowohl Gottes Segen als auch Gesundheit und Wohlergehen

 

Ihr und euer

 

Diakon Frank Kühbacher