Wochenimpuls | 04. Juli 2021 | Michael Niekämper

 

Woher hat er das?

 

Eine Frage aus dem Sonntagsevangelium im Blick auf Jesu Weisheit und Wundertaten drückt Erstaunen aus.

Menschen sind beeindruckt. „Donnerwetter“ könnte jemand rufen. „Das hätte ich dem nicht zugetraut. Ich kenne ihn doch als kleinen Knirps noch. Der soll mal nicht übermütig werden.“ 

 

Da hört jemand hin; da beobachtet jemand und bleibt dann doch im alten Deutungsmuster stecken.

Das Unvertraute, das Andere, das Nicht-Verfügbare lässt er nicht an sich heran.

 

Wenn Ferien und Urlaub Zeit schenken, sind wir mit Körper und Geist angesprochen: Landschaftsbilder, Bewegung in der Natur, Ruhen, Begegnungen in der Familie und mit anderen Menschen.

Da ist es schön, vertraute Urlaubserfahrungen zu machen. Wieder mal dieser wunderbare Strand; das spielen wir so gerne zusammen; so eine Radtour tut immer wieder gut.

 

Spannend wird es aber besonders dann, wenn die Ruhe mir bewusst macht, dass ich mich verändere, wenn ich Neues entdecke und das Fremde an mich heranlasse.

Dann sage ich vielleicht nicht nur: Es war wieder schön. 

 

In diesem Sinne eine gute Zeit!

 

Michael Niekämper (Pastor)


Wochenimpuls | 27. Juni 2021 | Gregor Lauenburger

 

Heute ist der letzte Sonntag im Schuljahr, also: vor den Ferien. Zeit mal über das Thema „Urlaub“ nachzudenken…

 

Sommerzeit, Ferienzeit, Urlaubszeit – 

 

Die Stadt legt eine kleine Pause ein, die Betriebsamkeit hält sich etwas in Grenzen, viele Menschen zieht es in die nähere oder weitere Ferne.

Aber: Urlaub – ob weit weg oder daheim, was ist das eigentlich?

„Urlaub ist die Zeit, die arbeitsfähige Arbeitnehmende, Beamte oder auch Selbstständige vom Arbeitsplatz berechtigt fernbleiben, obwohl nach Tages- und Wochenzeit eigentlich Arbeitsleistungen zu erbringen wären.

Oft wird „Urlaub“ mit Erholungsurlaub gleichgesetzt, der aber nur eine bestimmte Art von Urlaub darstellt.

Der Begriff Urlaub leitet sich vom alt- bzw. mittelhochdeutschen Wort für „erlauben“ her. So fragten im Hochmittelalter Ritter ihren Lehnsherren um urloup, also „Urlaub“, um in eine Schlacht zu ziehen.“ - So können wir darüber in einer bekannten Enzyklopädie lesen.

 

Wie erwähnt, meinen wir, wenn wir von Urlaub reden, oft denjenigen, der zu unserer Erholung gedacht ist. Ohne Zweifel ist Erholung heutzutage einer der wichtigsten Aspekte des Urlaubs. Um die Arbeitskraft Erwerbstätiger wiederherzustellen, ist der Urlaub sogar gesetzlich, im Bundesurlaubsgesetz, geregelt.

Die Hauptreisezeit des Jahres, also auch die Zeit, in der die meisten ihren Urlaub antreten, schulpflichtbedingt für Familien, -die Ferien- sind ein dominanter Fixpunkt im Jahr. Auch wenn es mathematisch nicht korrekt ist, wird oftmals erst die Zeit nach den Ferien als 2. Halbjahr gerechnet.

 

Aber was betrifft mich das, wenn ich hier den Sonntagsimpuls lese?

Was „erlaube“ ich mir hier, um an den historischen Ursprung des Wortes anzuknüpfen?

Hat ein so verstandener Urlaub etwas mit mir heute, jetzt, hier zu tun?

 

Ich denke ja! – sehr viel sogar.

Wir erlauben uns jetzt diesen lesenden und nachdenkenden Moment lang Erholungsungsurlaub zwischendurch.

Wir erlauben uns, egal, was der Tag uns noch an Pflichten und Aufgaben zumutet, einfach hier zu SEIN.

Zu verweilen, wo andere herum eilen;

zu hören, wo andere dem Lärm ausgesetzt sind;

nachzudenken, wo andere nur zum Tun genötigt sind.

Dies tun wir hier, weil es uns Menschen gut tut; weil uns damit etwas zurückgegeben wird, was uns der Alltag nur allzu oft entrissen hat:

 

Gelassenheit – Besonnenheit – Unaufgeregtheit.

 

Ich möchte uns alle einladen, nicht nur heute, sondern vielleicht viel häufiger, regelmäßig womöglich, sich selbst derartiges zu erlauben und Urlaub im Alltag zu machen.

 

Sicher werden wir feststellen, dass das Leben etwas leichter, einfacher, womöglich unkomplizierter sich gestaltet, wenn immer mehr Menschen sich erlauben, solcherlei Urlaub zu machen.

 

Allgemein, aber auch ganz individuell und persönlich. 

 

Übrigens, wie wir sehen, lässt sich dies auch teilen. Schenken wir uns selbst und unseren Mitmenschen also diese Erlaubnis zur inneren Ruhe. „In der Ruhe liegt die Kraft“ – so lautet ein altes chinesisches Sprichwort, dass Konfuzius zugeschrieben wird.

 

Ich wünsche uns allen diese Ruhe, und diese Kraft

Gott segne uns alle!

 

Gregor Lauenburger (Schulseelsorger)